Das Fussballtalent

Das Fussballtalent

Ein Fussballtalent zu erkennen, um es gezielt fördern zu können, zählt zu den schwierigsten Aufgaben im ambitionierten Jugendsport. Es ist die Kernaufgabe der Scouts bei den Lizenzvereinen, denn so richtig wissenschaftlich ist es noch nicht belegt ab wann man ein Talent als Talent bezeichnen kann. Auch wissen wir alle, dass Talent allein noch nicht ausreicht. Allerdings ist einigermaßen klar bis wann sich ein Talent spätestens entwickelt und dann auch nur, wenn es die richtige Förderung bekam.

Ist mein Kind ein Fussballtalent

Könnte ich diese Frage mit einem Blick beantworten, hätte ich wahrscheinlich einen sehr gut bezahlten Job und es würden da draußen nicht so viele Scouts herumlaufen. Es geht gerade in dem Alter bis 12 Jahre nicht so sehr darum ein Fussballtalent, sondern ein Sporttalent zu entdecken. Genau dieser Fakt bietet zugleich die größte Gefahr für den Profifussball und ist der Grund weshalb so viele Scouts und Berater unterwegs sind. Man hat angst ein Talent an einen anderen Sport zu verlieren!

Es geht eher darum ein Sporttalent nicht an einen anderen Sport zu verlieren!

Um das Fussballtalent in Deinem Kind entdecken zu können, vor allem wenn es noch unter 10 Jahren alt ist, solltest Du vor allem auf seine oder ihre motorischen Fähigkeiten achten. Dazu gehört natürlich auch das Fussballspielen selbst, aber eben noch viel mehr.

  • Vorwärts laufen
  • Rückwärts laufen
  • Bälle fangen und werfen (am besten mit Tennisbällen)
  • Wie schnell lernt es Schwimmen
  • Eine gerade Rolle machen
  • Mut! Klettern und springen (auf Spielplätzen z.B.)

Diese Dinge mögen sich für Dich jetzt vielleicht etwas merkwürdig anhören, aber dies sind nur einige der Dinge um die Sportmotorischen Fähigkeiten zu bestimmen. Für den Hausgebrauch schon mal ganz hilfreich.

Wenn Du darauf achtest oder die Entwicklung deines Kindes im Nachhinein hinterfragst, wirst Du feststellen dass das Sporttalent immer etwas schneller als die anderen Kinder war.

Die erste Fussballmannschaft

Meist geht es in einem Alter von fünf Jahren in die erste Fussballmannschaft im Verein um die Ecke. Dort kann sich der Sprössling zum ersten mal unter fachmännischer Anleitung gezielt am Ball üben und sich mit anderen messen. In der Pampers Liga sammeln sich die kleinen Fussballer noch Knäulartig um den Ball und ein taktisches Spiel ist noch nicht vorhanden. Dass ist auch gut so! Die kleinen Spieler sollen so viel Freiraum haben wie es eben geht. Nach einer Zeit sortieren die Fussballer sich schon selbst. Hier müssen alle Fussball-Papas ganz tapfer sein und ihrem Kind nicht irgendwelche Tipps geben. Sie wollen sich entwickeln.

Halte Dich zurück, sonst behinderst Du dein Kind in der Entwicklung!

Wenn Dein Kind sich in der G- und jungen F-Jugend häufig gezeigt und sich entwickelt hat, musst Du nun eine gute Ausbildung sicherstellen.

Die Ausbildung der Fussballer gliedert sich in drei Bereiche

  1. Grundlagenbereich (Bambini bis E-Jugend)
  2. Aufbaubereich (D- Jugend, C-Jugend)
  3. Leistungsbereich (B-Jugend, A-Jugend)

Grundlagenbereich

Dein Kind ist nun in dem Alter, dass es die Grundlagen lernen kann. In den meisten größeren Vereinen sind bei den ersten Mannschaften, bereits in der alten F-Jugend gute Trainer vorhanden. Auch Autodidakten und Fussball-Papis können sich durch kostenlose oder den Verein finanzierte Fortbildungen weiterentwickeln. Auch sind die kostenlosen Fortbildungsmaßnahmen an den DFB Stützpunkten eine gute Möglichkeit dazu zu lernen. Wichtig ist nur, dass der Trainer oder die Trainerin ein anspruchsvolles Training gestallten kann, welches den Spielern Spaß macht. Dazu gehören Übungen die den Körper fordern, das Gehirn beanspruchen und immer einen Abschluss beinhalten.

Wichtig! Ab der alten F-Jugend sollte ein guter Spieler in einer 1. Mannschaft spielen.

Im Grundlagenbereich sollten die Kinder, spielen, spielen und noch mal spielen. Je mehr Spielzeit, desto besser wird die Entwicklung sein. Manchmal kann es für die Eltern schon anstrengend sein im Winter zum zwanzigsten Hallenturnier zu fahren. Aber Spielstunden sammeln ist enorm wichtig.

Aufbaubereich

Ab der D-Jugend kommen die Fussballer in den Aufbaubereich, dieser geht bis in die die C-Jugend hinein. Im Alter von 11 bis 14 Jahren durchlaufen die Spieler und Spielerinnen die wichtigste Phase in Ihrem Fussballerleben. Neben der Pubertät und dem Wachsenden Druck in der Schule, wächst auch der Leistungsdruck im Fussball immer mehr. Wie Du sicher selber weißt oder aus meinen Zeilen lesen kannst, trennt sich hier die Spreu vom Weizen. Es ist das Goldene Lernalter und während einige sich hervorragend entwickeln, bleiben andere auf der Strecke. Nie wieder lernen Jugendliche so schnell so viel wie im alter von 13 bis 15 Jahren.

Ein guter Trainer ist das A und O. Die nun nicht mehr so kleinen Talente müssen lernen mit Rückschlägen und Enttäuschungen zurecht zu kommen und sie müssen lernen sich mit diesen Rückschlägen zu motivieren. Du als Vater oder Mutter rückst nun immer mehr in den Hintergrund.

Nie wieder lernen Jugendliche so schnell so viel wie im alter von 13 bis 15 Jahren.

Begleite Dein Fussballtalent auf diesem schwierigen aber auch schönem Weg , mische Dich aber nicht zu sehr ein. Ratschläge werden in diesem alter immer weniger angenommen. Wenn die Entwicklung aber klappt, ist dies die schönste Zeit im Fussball. Die Spieler kommen an einen der DFB Stützpunkte und/oder in die Landesauswahl, einfach großartig! Wenn sie besonders gut sind können sie in der C-Jugend (alt) Regionalliga spielen, was einen echten Höhepunkt in der Karriere darstellt. Bis es soweit ist, ist aber sehr viel Fleiß und Eifer gefragt. Gerade in diesem Alter merkt man, dass Fleiß das Talent überholt!

Leistungsbereich

Die meisten Spieler/innen sind 16 Jahre alt, wenn es in den Leistungsbereich geht. In der der B-Jugend und A-Jugend sollte ein ambitionierter Fussballer in der Regionalliga oder Bundesliga spielen. In den Jahrgängen bedeutet dass meistens, dass man in einem NLZ (Nachwuchs Leistungszentrum) sein muss. Nur wenige andere Vereine schaffen den Sprung in die Bundesliga.

Wann in ein NLZ

An dieser Stelle möchte ich das Thema nur kurz anreißen, später gibt es dazu mehr. Zur B-Jugend in ein NLZ zu wechseln ist – nach vielen Aussagen – der perfekte Zeitpunkt in ein NLZ zu wechseln. Vorausgesetzt Dein Kind konnte bis dahin immer hochklassig spielen. In diesem alter kann man schon einigermaßen abschätzen, wie weit sich ein Spieler entwickeln kann. Wenn ein NLZ einem 16 jährigen einen zwei bis drei Jahresvertrag anbietet, ist das schon eine große Investition des Vereins und die Scouts dort müssen dem Spieler gute Chancen zurechnen.

Ab wieviel Jahren erkennt man ein Fussballtalent

Auf Grund der unterschiedlich schnellen Entwicklung der jungen Talente, lässt sich diese Frage auch nicht zu 100% richtig beantworten. Das Kalendarische Alter als Grundlage zu nehmen ist leider nicht möglich. In einigen Ländern, wie zum Beispiel Belgien, ist man dazu übergegangen nach dem Biologischen Alter zu gehen. Einige Kinder entwickeln sich eben schneller und andere langsamer, vor allem rein körperlich.

Das Fussball Talent erkennen zu können ist eh schon eine Kunst für sich. Die Scouts sehen sich ein Spiel eines Jahrgangs an und wissen im Zweifel nicht, ob ein Spieler am 01.01. oder am 31.12. eines Jahrgangs geboren wurde.

Ab wie viel Jahren man ein Fussballtalent erkennen kann, ist also schwer zu definieren. Bei einigen siehst Du es mit 7 Jahren und bei anderen mit 19 Jahren. Den größten Sprung und die Fähigkeit zum lernen sieht man, meiner Meinung nach, zwischen 13 und 16 Jahren alten Fussballtalenten. Weniger im Training, als in einem echten Spiel!

Wie hoch dann die Chance sein kann, auch wirklich Fussballprofi zu werden, habe ich an einer anderen Stelle mal versucht zu errechnen.

TIPP: Wie hoch ist die Chance Fussballprofi zu werden?

Fazit

Die Wege den die Profis gehen sind alle sehr ähnlich dem hier von mir beschriebenen Weg. Es gibt natürlich immer wieder Ausnahmen und schöne romantische Geschichten von Spielern die mit 21 Jahren aus der Oberliga zum Profiverein gekommen sind, dass sind allerdings wirklich nur Ausnahmen. Die Förderprogramme des DFB (die ich sehr schätze) und der NLZs sind der normale Weg.

Ich freue mich auf Kommentare, Fragen und Anregungen.

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