Talentförderung

Personal Training im Fussball

Seinem Kind das beste geben und das Beste bieten. Personal Training im Fussball kann einer der großen Hebel in der Talentförderung sein. Abseits der Talentförderung im Verein, der Talentprogramme des DFB und der Talentkader der Nachwuchsleistungszentren ist Personal Training eine sehr gute Möglichkeit dem eigenen Kind eine wertvolle Förderung zu ermöglichen. Doch wie erkennst Du gutes Personal Training und was darf es kosten? Sollte mein Talent eher alleine oder in einer Gruppe bei einem Personal Trainer trainieren? Auf genau diese Fragen möchte ich an dieser Stelle eingehen und hoffe Euch wie immer gute Tipps liefern zu können!

Wie sinnvoll ist ein Personal Trainer

In der Fussballwelt gilt die Philosophie: Stärken stärken und Schwächen abstellen! Dieser recht plakative Satz ist die Grundregel einer jeder Ausbildung, nicht nur im sportlichen Bereich. Ganz so alt ist dieser Grundsatz allerdings noch nicht. Sehr lange Zeit haben Trainer und Spieler versucht gerade die Schwächen zu trainieren. Das führt jedoch dazu, dass die Stärken eines Spielers vernachlässigt werden und die kommt es ja bekanntlich an.

Stärken stärken und Schwächen abstellen!

Was passiert im Mannschaftstraining

Im Mannschaftstraining werden von den Trainern vor allem Grundlagen trainiert. In den jüngeren Jahrgängen Passen, Ballannahme, Ballmitnahme, schießen und einiges mehr. Wenn die Spieler und Spielerinnen dann älter werden, werden diese Grundlagen aber vorausgesetzt. Der Grundlagenbereich endet mit der alten E-Jugend. Ab der jungen D-Jugend geht es für die Spieler in den Aufbaubereich. Natürlich sind die Grenzen fließend, aber in den ambitionierten Vereinen wird überall so gearbeitet. Das ist auch ein Grund dafür weshalb Trainerfortbildungen so extrem wichtig sind. Im Aufbaubereich werden dann immer häufiger Spielsysteme und die Kognitiven Fähigkeiten der einzelnen Spieler geschult.

Ich erwähnte in anderen Artikeln ja bereits die unterschiedlichen Entwicklungssprünge der Spieler und dass diese zu unterschiedlichen Zeitpunkten eintreten, Stichwort Geburtsdatum. Da sich die jungen Spieler aber immer unterschiedlich entwickeln oder einige Trainer durch mangelhafte Ausbildung, nicht in der Lage sind die Spieler richtig auszubilden, kann in einem Personal Training zum Beispiel nachgeholt werden was vorher versäumt wurde.

Ein Personal Trainer kann Grundlagen nachholen, welche im Mannschaftstraining vernachlässigt wurden!

Ein Personal Trainer kann also wirklich Sinn machen. Gerade um Schwächen abzustellen, egal ob diese nun im Training versäumt wurden oder einfach noch Defizite auf Grund der Entwicklung bestehen. Schwächen abzustellen ist sozusagen die Basis des Personal Trainings.

Die Stärken eines Personal Trainers

Richtig spannen wird es, wenn man häufiger mit einem Personal Trainer zusammen arbeitet. In diesem Fall hat der Personal Trainer nämlich die Möglichkeit den Spieler oder die Spielerin besser kennenzulernen. In der Anfangsphase wird der Personal Trainer den Spieler erst einmal analysieren und kennenlernen um Schwächen zu identifizieren und Stärken und spezielle Talente erkennen zu können. Manchmal fungiert ein Personal Trainer als Mental Coach und muss den Spieler umso besser kennenlernen. Für meinen Sohn hatte ich sogar mal einen Personal Trainer, der vor dem ersten Termin 30km Anreise in Kauf nahm um ein Spiel von meinem Sohn sehen zu können. Auf dieser Basis hat er entschieden ob er Ihr überhaupt trainieren möchte. Nach dem Spiel konnte er mir genau die Stärken und Schwächen aufzählen, was ich schon mal sehr beeindruckend fand.

Arbeitet der Trainer dann länger mit einem Talent, kann er sein Training genau auf Ihn zuschneiden. Schwächen ausmerzen durch viele Wiederholungen, die er in jedem Termin wieder einbaut und die Stärken verfeinern durch das erlernen anderer Bewegungsabläufe und Variablen. Selbst schon nach vier bis fünf Terminen sieht man große Fortschritte bei seinem Kind.

Einzeltraining oder Gruppentraining

Am Anfang steht immer die Entscheidung ob man sein Kind in ein Einzeltraining oder ein Gruppentraining schicken soll. Falls Euch ein Personal Trainer Euch vor diese Entscheidung stellt, ist er meist unseriös. Beides hat seine Berechtigung!

Sowohl Einzeltraining, als auch Gruppentraining hat seine Berechtigung!

Dabei muss Gruppentraining nicht immer gleich Zehn Spieler bedeuten. Es macht durchaus Sinn sich die Kosten für ein Personal Training mit anderen zu teilen. Natürlich denkst Du jetzt: Aber ich möchte doch, dass nur mein Kind besser wird.

Den Gedanke kann ich zwar verstehen, er ist jedoch komplett FALSCH!

  1. In einem Gruppentraining können ganz andere Übungen gemacht werden, die Dein Kind auf jeden Fall weiterbringen
  2. Du kannst Dir für jedes Personal Training andere Partner suchen
  3. Die Teilnehmenden Spieler sollten immer gut sein, nicht mit Absicht schwache nehmen
  4. Eine gute Größe einer Gruppe ist frei bis 4 Spieler für einen Personal Trainer
  5. Personal Training nicht öfter als ein Mal pro Woche, wenn dein Kind eh schon drei Mal Woche Training hat würde ich nur ein Mal alle zwei Wochen wählen
  6. Viel hilft nicht viel – Viel mach viel kaputt
  7. Immer im Wechsel einmal in einer Gruppe und nächstes Mal ein Einzeltraining

Natürlich haben auch alle Personal Trainer ihre eigenen Philosophien und Glaubenssätze, dass ist auch gut so. Wenn also ein Personal Trainer sagt, er trainiert nur Gruppen und ein anderer sagt, er trainiert nur Einzelspieler: Umso besser! Wechsel die Trainer und Dein Kind bekommt noch mehr unterschiedlichen Input.

Das richtige Trainingspensum

Das richtige Trainingspensum für ein Fussballtalent zu finden gehört zu den wohl schwierigsten Aufgaben eines Trainer und der Erziehungsberechtigten. Es ist auch ganz unterschiedlich das richtige Trainingspensum für unterschiedliche Spieler zu finden, denn nicht jeder Körper kann in den unterschiedlichen Entwicklungsphasen gleich viel Last vertragen. In jedem Fall sollte man darauf achten das Talent nicht zu überfordern und den Körper nicht zu überstrapazieren. In intensiven Phasen kommt es dann natürlich auch extrem die richtige Ernährung an, dazu komme ich aber in einem späteren Artikel.

Um das richtige Trainingspensum und auch die Trainingsart zu finden kann man sich am besten an den unterschiedlichen Saisonphasen orientieren.

  • Saisonvorbereitung
  • Pflichtspielzeit
  • Spielfreie Wochen
  • Saisonende

Saisonvorbereitung

Die Saisonvorbereitung gehört zu den wohl intensivsten Wochen eines Fussballers. Den Klassiker der Saisonvorbereitung finden wir am Ende des Sommers und je nach Altersklasse steigen die Vereine ein bis drei Wochen vor dem ersten Punktspiel in die Saisonvorbereitung ein. Jetzt fragst Du dich sicher, wie Du als Mama oder Papa etwas für Personal Training tun kannst, ist doch Vereinssache? Nein! ich bekam von meinem Sohn einmal die Aussage:

Bitte mache vor dem Trainingslager mit mir Sport, ich brauche zwei Wochen bis ich wieder 100% fit bin!“

Über diese ehrlich Aussage war ich natürlich sehr froh und das zeigt auch, dass meinem Sohn ganz klar ist worauf es ankommt. Denn die Mannschaftstrainer haben häufig Probleme mit der Fitness der Spieler nach den Ferien. Das zeigt sich nicht nur bei den ersten Testspielen, sondern leider auch bei den Ausfällen der Spieler im Trainingslager.

Ein Kaltstart nach den Ferien ist das schlimmste was ein Sportler machen kann. Die Anfälligkeit für Verletzungen steigt rapide an. Die Muskeln sind noch im Relax-Modus des Urlaubs und reagieren erst einmal mit panischen Kontraktionen nach den ersten intensiven Belastungen.

Was kann man also tun?

Haltet Euer Talent im Urlaub fit. Gönnt Ihm oder Ihr die ersten ein bis Zwei Wochen Pause, damit der Körper regenerieren und auch wachsen kann und steigt dann wieder langsam in die Belastung ein, am besten mit Sport den man sonst nicht macht.

  • Wandern
  • Radfahren
  • Ski- / Snowboard fahren
  • Surfen
  • Schwimmern
  • Paddeln und Rudern
  • Klettern
  • und, und, und …

Alles wunderbare Aktivitäten die man als Familienausflug planen kann. Das Beste: Es hält auch Dich fit, falls Du es nicht eh schon bist. Wenn diese Dinge für Dich eh alle normal sind, umso besser: Du bist ein tolles Vorbild für Dein Kind und Du zeigst dass Sport zu einem ganz normalen Leben gehört!

Die letzten ein bis zwei Wochen vor dem Trainingslager

Für die Endphase des Urlaubs muss man sich schon einen Plan machen. Das richtige Maß kann man am besten selbst herausfinden, jeder Sportler ist anders. Als Beispiel kann ich mal sagen was ich mit meinem Sohn bei unserem letzten Urlaub gemacht habe, wobei es natürlich immer darauf ankommt wo man sich im Urlaub befindet.

Dein persönliches kleines Trainingslager

Mein Sohn hat mich dazu motiviert jeden Abend im Urlaub Sport zu machen und das zwei Wochen lang. Wir waren an der Mosel wo bekanntlich eine menge Weinberge sind, so wie auch direkt hinter unserem Haus. Wir sind also jeden Abend den Trappen am Weinberg gegangen und sind diese 10 Mal rauf und Runter gelaufen, ich meine es waren knappe 100 Stufen. Danach war man schon ganz schön kaputt und an den ersten Tagen hatte ich auch Muskelkater. Dann ging es ruhigen Schrittes zurück zum Haus, wo wir ein kleines Fitness Program durchgezogen haben:

  • Liegestütz
  • Situps
  • Klimmzüge

Nach ca. 45 Minuten ist man mit dem Programm durch und es kann Abendbrot geben.

Mein Sohn war zuvor noch nie so Gut in eine Saison gestartet, seit dem machen wir das immer so!

Diese Grundfitness aufzubauen ist für einen erfolgreichen und Verletzungsfreien Saisonstart das A und O und wenn man fit ist, macht alles viel mehr Spaß. Wir haben tägliches Schwimmtraining im Freibad mit eingebaut und sind mit dem Rad von Ort zu Ort gefahren, mit der ganzen Familie. Sehr zu empfehlen. Zusätzlich sind wir noch an drei Tagen pro Woche Morgens gelaufen. Meine Frau, mein kleiner und ich. Der große hat ge-Chilled.

Habt Ihr in dieser Zeit vor der Mannschaftsvorbereitung zugriff auf einen Personal Trainer, sollte dieser sich natürlich nicht um die Kondition und Kraft Eures Sportlers kümmern (zumindest nicht wenn Du nicht zu viel Geld hast und es gerne zum Fenster rausschmeißt), sondern um die Technik und Geschmeidigkeit.

Pflichtspielzeit

Während der Pflichspielzeit gehört der Spieler oder die Spielerin vorrangig dem Trainer der Mannschaft und man sollte mit personal Training eher vorsichtig sein. Verständlicher Weise können Trainer sehr ungehalten werden, wenn auf Grund von Personal Training eine Überbelastung beim Spieler entsteht und er oder sie nicht voll einsatzbereit ist. Noch schlimmer wäre es, wenn sich der Spieler durch eine Überbelastung verletzt und langfristig ausfällt. Deshalb sollte ein Personal Trainer während der heißen Phase in der Mannschaft nur an Technik arbeiten.

  • Ballannahme
  • Ballmitnahme
  • Schüsse
  • Schusstechnik
  • Finten
  • Tricks

Gerade Finten und Tricks mit dem Ball werden im Mannschaftstraining oft vernachlässigt, dabei entscheiden diese doch sehr oft über Sieg und Niederlage eine Fussballspiels.

Spielfreie Wochen

An Spielfreien Wochen und Wochenenden ist eine Session mit dem Personal Trainer und eine zusätzliche regenerative Laufeinheit sehr sinnvoll. Natürlich sollte auch hier die Intensität eher niedrig gehalten werden, aber ein lockeres und lustiges zwei gegen zwei auf Minitore oder ein Fussballtennis Match gegen den Personal Trainer, hält die Spannung in der Spielpause hoch. Regeneratives Laufen beherrschen die wenigsten Kinder und Jugendliche, wer es beherrscht und das Prinzip und die Wirkung dahinter versteht, kann sehr davon profitieren.

Saisonende

Zum Saisonende kann ich nur eines sagen: Es gehört der Mannschaft! Der Körper beginnt zu regenerieren und fährt nach und nach runter, am besten mit noch ca. zwei Wochen Mannschaftstraining nach dem letzten Spiel. Der Spaß im Training steht im Vordergrund und zusätzliches Training ist nicht mehr notwendig. Gönnt Eurem Fussballtalent diese entspannte Spaßphase!

Fazit

Ein guter Personal Trainer ist Gold wert! Es ist kein muss einen Personal Trainer zu haben, wenn man Profi werden möchte. Er kann aber hier und da durchaus einen Unterschied machen. Gerade im Bereich Technik können Spieler viel lernen und durch ständige Wiederholungen in Fleisch und Blut übergehen lassen. Ein guter Personal Trainer hat aber nicht ein Konzept, welches er an allen seinen Schülern anwendet, sondern passt seine Inhalte immer an das Talent an. Deshalb heißt es ja auch Personal Training.

Ich hoffe ich konnte Euch – wieder einmal – inspirieren und Ihr wisst wie Ihr mit einem Personal Trainer sprechen müsst. Offenheit ist das Sprichwort. Mein Kind ist das beste und soll noch besser bleiben ist keine Hilfe für einen Trainer. Immer offen über Stärken und Schwächen sprechen, dass macht das Leben leichter. Bitte nicht vergessen, dass ihr Eurem Kind ein sportlichen Lebensstiel vorleben solltet. Wie sonst soll ein Kind lernen das sportliche in Alltag einzubauen und auch den Wert von Sportlichkeit zu erkennen. Es ist wie immer: Seid ein gutes Vorbild, dass ist Tausendmal mehr wert als ein Personal Trainer!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.